DER DEUTSCHE FERNSEHPREIS 2002: Ehrenpreis der Stifter an Wolfgang Menge

Der Schriftsteller, Film- und Fernsehautor Wolfgang Menge (geboren 1924 in Berlin) hat mit seinen Produktionen „Das Millionenspiel“ (1970) und „Ein Herz und eine Seele“ (1973) deutsche Fernsehgeschichte geschrieben – und hat bis heute damit nicht aufgehört.

Es wird ihm einiges durch den Kopf gegangen sein, als ihn die Nachricht vom Ehrenpreis erreichte. Die Veranstaltung dauert, wenn es gut geht, drei Stunden, drei Stunden, in denen es nichts zu essen gibt. Wie soll er das überstehen?

Wolfgang Menge ist nicht unvermögend nach all den Jahrzehnten erfolgreicher Arbeit. Aber die Sorge, er könnte verhungern, ist geblieben. Ehedem galt er auch als geizig, seine Raubzüge durch die Büroschränke der Sekretariate sind berüchtigt. Manche haben das für sorgfältig inszenierte Schrulligkeit gehalten. Doch Menge hat den Menge nie gespielt. Er war so wie er war, authentisch. Er ist es bis heute.

Das Widerspenstige und Sperrige seines Charakters, das Verquere seines Denkens, die Verweigerung im Offenbaren seiner Gefühle sind es, die aus einem Journalisten einen Autor gemacht haben. In allen seinen Figuren steckt ein Stück von ihm, und in den besten haben wir ihn ganz. In gewisser Weise war Ekel Alfred nichts anderes als ein Selbstporträt. Nur so war es möglich, dass eine Figur, aus deren Mund die grauenhaftesten Spiesserweisheiten flossen, zugleich ein liebenswerter Mensch sein konnte.

Wolfgang Menge ist der einzige Fernsehautor, dem es gelungen ist, ein Star zu werden. Das hat natürlich mit der Qualität seiner Arbeit zu tun, vor allem aber mit dem Instinkt für die starken, die Menschen bewegenden Stoffe. Da meldete sich der Journalist.

Menge war von Anfang an für das Fernsehen geschaffen, und das Medium für ihn. Das Kino, in dem er sich gelegentlich auch versuchte, war ihm im Grunde fremd. Er wollte seiner Zeit stets auf der Fährte bleiben, er suchte die direkte Auseinandersetzung. Er war und ist der Chronist dieser Jahrzehnte.

Nicht selten war er dieser Zeit voraus. Hätte er nichts anderes geschrieben als „Das Millionenspiel“, man würde ihn nicht vergessen haben. In seinen besten Jahren gab es ähnliche Donnerschläge im Zwölf-Monats-Takt.

„Ein Herz und eine Seele“ war die erste deutsche Comedy-Serie und sie ist die beste bis in unsere Tage. Menge war jeweils an den Wochenenden angereist, um für die Live-Sendung am Montag noch einige Aktualitäten einzufügen. Was zum sofortigen Verbrauch bestimmt schein, hat sich, wie keine andere Serie sonst, als Dauerbrenner etabliert. So wurde eine Sendung Fernsehgeschichte, ohne sich selbst historisch zu werden.

Wolfgang Menge hat viele Freunde, was durchaus verwunderlich ist bei einem Menschen, der im persönlichen Umgang die rauen Töne bevorzugt. Aber das ist eher Tarnung um eine Methode, sich unangenehme Zeitgenossen vom Liebe zu halten. Zu ihnen zählt er neuerdings vor allem die Redakteure. Das erleichtert die Zusammenarbeit nicht gerade. Doch da ist er unerbittlich. Man muss sich den Menge verdienen, wenn man ihn haben will.

Günter Rohrbach