DER DEUTSCHE FERNSEHPREIS 2004: Sonderpreis der Stifter an Udo Jürgens

„Mein Glaube hat keine 10 Gebote, sondern 12 Töne !“

Udo Jürgens

Am 30. September 1934 wird im österreichischen Klagenfurt ein Bub geboren, der es zum erfolgreichsten deutschsprachigen Sänger und Komponisten des 20. Jahrhunderts bringen wird, dessen Songs um die Welt gehen und über dessen Haupt Glücksgöttin Fortuna ein gigantisches Füllhorn an Preisen und Ehrungen ausschüttet: Bambi, Goldene Kamera, Goldene Europa, Goldene Stimmgabel, Goldene Feder, Platten aus Gold und aus Platin, das Verdienstkreuz 1. Klasse der BRD, das große Ehrenzeichen der Republik Österreich und und und.

Noch ahnt er von all dem nichts, noch ist er ein schüchterner, kränkelnder Knabe namens Udo Jürgen Bockelmann gesegnet mit der Liebe zur Musik und gebeutelt mit einem Satz prächtiger Segelohren. Auch von den Frauen weiß er noch nichts, aber er wird rasch aufholen.

Mit 12 Jahren schreibt er seinen ersten Song, und während er erfolgreich am Konservatorium Klagenfurt die Fächer Klavier, Harmonielehre, Komposition und Gesang studiert, setzt er mit 20 Jahren seinen Künstlernamen unter den ersten Plattenvertrag!

Beim Grand Prix 1966 gelingt ihm in Luxemburg mit dem Siegertitel „Merci Chérie“ der rasante Aufstieg in die erste Klasse der internationalen Popbranche. „Merci Chérie“ bildet den Auftakt zu einer Karriere mit Hits, die jeder kennt und mitsingen kann: „17 Jahr, blondes Haar“, „Aber bitte mit Sahne“.

Er komponierte auch für Kollegen, so auch für Caterina Valente, Anneliese Rothenberger oder den Welthit „Reach for the Stars“ für Shirley Bassey. Etliche Weltstars wie Sammy Davis Jr., Quincy Jones, Harry Belafonte oder Bing Cosby interpretierten seine Songs. Er feierte weltweit große Erfolge und führte sogar mit „Wakare no asa“ („Was ich Dir sagen will“) die japanische Hitparade an. Seine 800 Kompositionen verkauften sich über 100 Millionen Mal weltweit.

Seine erste Personality-Show im ZDF bescherte ihm 1977 eine Traumquote von 54%! Ein Wert, der sich heute nur noch mit einem WM-Endspiel mit Deutschen Nationalelf erzielen lässt. Zum Beispiel die WM in Argentinien, deren Hymne „Buenos días, Argentina“ zu Udo Jürgens’ größtem Schallplattenerfolg geraten sollte.

Dabei ist Udo Jürgens nicht nur einer, der etwas zu singen, sondern auch einer, der etwas zu sagen hat. Witzig und wütend zugleich steigt er mit seinem „ehrenwerten Haus“ kleinbürgerlicher Doppelmoral aufs Dach, ehrlich und gefühlvoll setzt er sich mit „Griechischer Wein“ für ein Miteinander der Völker ein.

Weil aber vom Singen allein die Welt nicht besser wird, ruft er 1999 eine Stiftung ins Leben, mit der er vor allem in Not geratenen Kindern konkrete Lebenshilfe gibt.

Nicht nur die Musik bestimmte und bestimmt sein Leben. Das Multitalent versuchte sich als Schauspieler in Filmen wie „Die Beine von Dolores“ und „Unsere tollen Tanten“ und aktuell wieder als Schriftsteller. Details seines Lebens berichtet er in seinem dritten Buch „Der Mann mit dem Fagott“, das im August dieses Jahres erschienen ist.

5,5 Millionen Zuschauer haben ihn im Verlauf seiner Karriere live am Flügel erlebt, und wer seine vergangene 18. Tournee im deutschsprachigen Raum besucht hat, weiß, dass die Erfolgsstory noch lange nicht zu Ende ist. Dass er nach wie vor ein vitaler und kritischer (Schön-)Geist ist, belegt seine aktuelle CD „Es lebe das Laster“. Im September feierte er seinen 70. Geburtstag und wir gratulieren herzlich.

Klaus de Rottwinkel, Berlinda Kestler, Verena Scheidecker

Biografie von Udo Jürgens