DER DEUTSCHE FERNSEHPREIS 2003: Sonderpreis der Stifter an Rudi Carrell

„Witze kann man nur dann aus dem Ärmel schütteln, wenn man sie vorher hineingesteckt hat.“
Rudi Carrell

Preis der Internationalen Filmkritik in Venedig, Silberne Rose von Montreux, Bambi, Goldene Kamera, Alexander-Graham-Bell-Medaille, Karl-Valentin-Orden, Goldene Rose von Montreux, Genießer des Jahres, Bester europäischer Show-Moderator, Bundesverdienstpreis erster Klasse, Golfhandicap 27 … Preise am laufendem Band!

Und jetzt der Ehrenpreis der Stifter des DEUTSCHEN FERNSEHPREISES, getragen von ARD, RTL, SAT.1 und dem ZDF. Wirklich beeindruckt wird Rudi Carrell nicht sein, aber zumindest wird er so tun. Nach der Übergabe – natürlich mit Standing Ovations – wird er erst einmal ein frischgezapftes Bier trinken und eine Zigarette rauchen (Früher beim WDR musste ihn im Studio ein Wassereimer hinterher getragen werden, um das Rauchverbot zu umgehen). Vielleicht schaltet er auch aus Boshaftigkeit sein Hörgerät ab, weil er die vielen Lobhudeleien sowieso nicht glaubt.

Der Erfolg ist ihm nicht zugeflogen. Rudi Carrell ist ein Arbeitstier. Hart gegen sich („Du musst als Clown auch mal selber die Torte ins Gesicht kriegen“) und hart gegen seine Kollegen („Alle scheiße – außer mir“). Seine bissigen Kommentare sind gefürchtet – aber leider oft wahr.

1951 sprang er für seinen Vater bei einem Gastspiel ein und blieb seitdem im Showgeschäft. Rudi (eigentlich Rudolf Wijbrand Kesselaar) machte alles: Entertrainer, Zauberkünstler, Bauchredner, Kasperletheaterspieler. 1968 wurde er von Radio Bremen für das deutsche Fernsehen entdeckt. 1974 wurde aus der Rudi Carrell Show das Familien-Quiz Am laufenden Band: mit Quoten bis zu 64 Prozent. Silvester 1979 ging die letzte Sendung über den Schirm. Rudi drehte hemmungslos Filmklamotten und nahm unzählige Platten auf, meist Ohrwürmer. Ganz Deutschland summte mit: Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Seinem Lieblingsgetränk widmete er die Eigenkomposition „Zuviel Schaum, zu wenig Bier“. 1981 brachte der WDR seine 45-Minuten-Show Rudi kann’s nicht lassen. Im selben Jahr wurde Rudis Tagesshow ein Riesenerfolg. Ohne Respekt, aber eher parodistisch als bissig, nahm er die gute Tageschau auf’s Korn. Auf die Linienrichter des guten Geschmacks – auch Fernsehkritiker genannt – nahm er nie Rücksicht. Witz siegt eben über Tinte. Als er am 15. Februar 1987 in einer Film-Montage Khomeini von seinen Anhängern mit Damenunterwäsche beschenken ließ, kam es zu heftigen diplomatischen Turbulenzen. Rudi Carrell entschuldigte sich beim iranischen Volk dafür, möglicherweise religiöse Gefühle verletzt zu haben. Auch sonst ist (und bleibt hoffentlich auch) Rudi schmerzfrei. Bei einer Talkshow neben Alice Schwarzer zog er einen BH aus der Tasche und wischte sich damit den Schweiß von der Stirn. Sein Verhalten gegenüber dem schwachen Geschlecht war nicht immer wirklich politisch korrekt.

Nach Rudi’s Tiershow, Herzblatt, Rudi’s Urlaubsshow, Prominenten Playback Show gelang es Rudi Carrell 1996 mit 7 Tage – 7 Köpfe, die heute erfolgreichste Comedy-Show im deutschen Fernsehen zu etablieren. Nach über 200 Folgen stieg er am 20. Dezember 2002 aus, blieb jedoch Produzent und unerbittlicher Strippenzieher hinter den Kulissen. Aber Rudi ist immer für eine Überraschung gut. In dem Archiv seines Hauses bei Bremen hat er unzählige Gags abgespeichert und gesammelt. Genug für eine ganze Comedy-Generation …

Biografie von Rudi Carrell