DER DEUTSCHE FERNSEHPREIS 2001: Sonderpreis der Stifter an Prof. Dr. Peter Scholl-Latour

Der Fernsehjournalist und Publizist Peter Scholl-Latour (geb. 1924)war und ist in seinem Metier der kritischen Berichterstattung aus fast allen Krisengegenden der Welt eine außerordentliche Erscheinung. Wie nur wenige hat er den neugierig-wagemutigen, das Abenteuer nicht meidenden Reporter, der schließlich alle Kontinente erkundete, verbunden mit dem umfassend gebildeten, literarisch versierten, systematisch analysierenden Monographen. Seine großen Fernsehdokumentationen, seine zahlreichen Buchpublikationen, deren eine – „Der Tod im Reisfeld“ – zum Weltbestseller wurde, seine aktuellen Beiträge zum Verständnis politisch-kultureller Entwicklungen in Asien wie in Nahost, in Frankreich wie im Kongo, im Iran – spektakulär Scholl-Latours Chomenie-Begleitung von Paris nach Teheran – wie in Israel zeigen dem Millionenpublikum (und eben nicht nur Hochinteressierten) einen so leidenschaftlichen wie gelassenen, so wissenden wie wissbegierigen, so selbstbewussten wie skeptischen Vermittler der „auswärtigen Angelegenheiten.
Die erkennen wir mit seiner Hilfe als so bedeutend, wie sie sind – gegen provinzielle Genügsamkeit, die sich gern an den eigenen Nabel hält. In Peter Scholl-Latour hat der Kosmopolit als Fernsehjournalist einer seiner eindrucksvollsten Personifizierungen gefunden. Mit diesem Fernsehmann von Profil und Format gewann das Medium selbst Statur und Prestige. Es hat es auf seine Weise also, Maßstäbe setzend und erfüllend, geadelt.

Bei alldem hat Scholl-Latour die Medienszene in Deutschland insgesamt durchquert. Er begann als Zeitungsmann und war ab 1960 Afrika-Korrespondent der ARD, später Chef des Pariser ARD-Studios, danach (von 1969-1971) WDR Fernsehdirektor, dann beim ZDF Chefkorrespondent und Studioleiter abermals in Paris und ab 1983 bis 1988 zusammen mit Johannes Gross Herausgeber des „stern“ und zugleich Gruner + Jahr-Vorstandsmitglied mitzuständig für die Fernseh-Aktivitäten der Verlagsgruppe (RTLplus).

Seit 1988 arbeitet Scholl-Latour als freier Publizist. Seine Veröffentlichungen auf dem Bildschirm (z.B. „Das Schwert des Islam“, ZDF), in Büchern (z.B. „Lügen im Heiligen Land“) und in verschiedenen Blättern finden hohe, mitunter kritisch-kontroverse Aufmerksamkeit. Es ist die Aufmerksamkeit für einen souverän denkenden und sprechenden liberalen Konservativen, der sich – schon gar im Sinne politischer Korrektheit – sein Lebtag nicht verrechnen lassen mochte. „Was Peter Scholl-Latour auszeichnet“, schreibt der Historiker Michael Stürmer, „ist ein heroischer Pessimismus, gemischt mit Traurigkeit angesichts der versunkenen Welten und der Einsicht, dass die Welt mehr Probleme hat als Lösungen, zumal in den Bruchzonen zwischen Europa und Asien, wo sich Generationen um Generationen Jahrhundert um Jahrhundert abgearbeitet haben. Am Ende des Tages hat er ein Mosaik ausgelegt aus Tausenden von kleinen Steinen – ein Meisterwerk.“

Hans Janke
Leiter Hauptredaktion Fernsehspiel und Stellvertretender Programmdirektor

Biografie Peter Scholl-Latour