5. September 2002
DER DEUTSCHE FRENSEHPREIS 2002: Die Nominierungen

Erstmals verleiht die Jury des DEUTSCHEN FERNSEHPREISES in diesem Jahr die Auszeichnung „Fernsehereignis des Jahres“. Die Wahl fiel, wie heute im Rahmen eines Presseempfanges in Berlin bekannt gegeben wurde, auf den ARD-Dreiteiler „Die Manns. Ein Jahrhundertroman“ von Heinrich Breloer. „Die Manns“ haben als programmliches und gesellschaftliches Gesamtereignis weit über die Grenzen des Fernsehens hinaus gewirkt und sollen so auch „in ihrer Einzigartigkeit jenseits der Genrekategorien gewürdigt werden“, so die Begründung der Jury.

Bei den Nominierungen für den DEUTSCHEN FERNSEHPREIS 2002 führt die ZDF-Produktion „Toter Mann“. Bester Fernsehfilm, Beste Regie, Beste Schauspieler für André Hennicke und Nina Hoss und Beste Kamera für Hans Fromm – die Jury wählte den Fernsehfilm von Christian Petzold in fünf der insgesamt 24 Kategorien: In der Königskategorie „Bester Fernsehfilm“ konkurriert „Toter Mann“ mit dem SAT.1-Zweiteiler „Tanz mit dem Teufel – Die Entführung des Richard Oetker“ von Peter Keglevic und dem Lars Becker-Thriller „Rette Deine Haut!“ vom ZDF. Bei den Schauspielern lobte die Jury zudem Monica Bleibtreu für „Verlorenes Land“, Anneke Kim Sarnau für „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ und „Ende der Saison“, Wotan Wilke Möhring in „Hat er Arbeit?“ und „Liebe und Verrat“, ebenso wie Hilmar Thate für „Operation Rubikon“.

DER DEUTSCHE FERNSEHPREIS wird am 05. Oktober 2002 zum 4. Mal im Kölner Coloneum verliehen. Am Morgen dieses Tages entscheidet die Jury, welche der 45 vorausgewählten Programme und TV-Leistungen mit dem DEUTSCHEN FERNSEHPREIS ausgezeichnet werden. Das Spektrum der Nominierungen reicht von der „80er Show“ mit Oliver Geissen in der Kategorie Beste Unterhaltung bis hin zur Gerichtsshow „Richterin Barbara Salesch“ in der erstmals aufgestellten Kategorie „Beste tägliche Sendung“. In der Comedy konkurriert Anke Engelke mit sich selbst; sie wurde für „Ladykracher“ und „Blind Date“ gemeinsam mit Olli Dittrich nominiert. Bei den Serien sind „Edel & Starck“ mit Christoph M. Ohrt und Rebecca Immanuel, „Mein Leben & ich“ mit Wolke Hegenbarth und „Berlin, Berlin“ mit Felicitas Woll benannt. In den Kategorien Dokumentation und Reportage dominieren zeithistorische und investigative Stücke. Hier finden sich unter anderem die „Gipfelstürmer“, eine Rekonstruktion der Krawalle beim G8-Gipfel in Genua aus der Reihe „die story“, die Kelly/Bastian-Dokumentation „Der Engel und der General“ (WDR), sowie „Menschen-Poker – Neue Wahrheiten über die Arbeitslosigkeit“.

„Die diesjährige Nominierung spiegelt in ihren Kategorien deutlich die Stärken der Sender“ sagte der Jury-Vorsitzende Lutz Hachmeister. So führt das ZDF im Fernsehfilm, die ARD bei der Dokumentation und Reportage, während RTL und SAT.1 in den Kategorien Serie und Unterhaltung vorne liegen.

In der Senderstatistik folgen das ZDF mit 22 Nominierungen, die ARD mit 20, SAT.1 mit 10, RTL mit 9, ProSieben mit 5 und der WDR mit 2 Nennnungen. Die Nominierungen für die Informationskategorie werden in diesem Jahr zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben, da die Jury u. a. die aktuelle Wahlkampfberichterstattung noch einbeziehen will. Die Entscheidung über die beiden Förderpreise fällt am Tag der Preisverleihung, die „Besondere Ehrung der Stifter“ wird eine Woche vor der Verleihung veröffentlicht.

„Nach vier Jahren haben wir einen ersten Fernsehpreis-Turnus von RTL, ZDF, SAT.1 und ARD/WDR durchlaufen und können eine sehr positive Bilanz ziehen. Auf diesem Fundament werden wir gemeinsam weiterarbeiten, denn der DEUTSCHEN FERNSEHPREIS hat sich als unabhängige Auszeichnung inzwischen zu einem Qualitätsmaßstab entwickelt, der dem Fernsehen in Deutschland insgesamt zugute kommt“, sagte Jörn Klamroth, Geschäftsführer des DEUTSCHEN FERNSEHPREISES für den federführenden Sender WDR.

Die Mitglieder der zwölfköpfigen Jury für den DEUTSCHEN FERNSEHPREIS 2002 sind: Dr. Lutz Hachmeister (Vorsitzender), Klaudia Brunst (stellvertretende Vorsitzende), Stefan Aust, Marc Conrad, Mischa Hofmann, Uwe Kammann, Ulrike Kriener, Giovanni di Lorenzo, Sandra Maischberger, Dr. Norbert Schneider, Barbara Sichtermann und Natalia Wörner. Das Ständige Sekretariat in Köln leitet Petra M. Müller.

Pressekontakte und Informationen:
WDR-Pressestelle: Veronika Nowak (Tel: 0221-220-4607)
Organisationsbüro: Richard Mahkorn, Maren Mossig (Tel: 0221-250 1153)
Ständiges Sekretariat: Petra M. Müller (Tel: 0221-454-3030)

Die Manns. Das Fernsehereignis des Jahres

Mit dem Projekt „Die Manns“ ging im vergangenen Jahr eine Thomas-Mann-Renaissance einher, die nicht nur die Feuilletons erreichte, sondern auch in den Buchhandlungen zu spüren war. Insofern ist hier etwas Seltenes gelungen: ein gesellschaftliches Ereignis zu setzen, das in seiner Gesamtwirkung weit größer war, als das Fernsehen, aus dem es kam. So hat die Jury des DEUTSCHEN FERNSEHPREISES beschlossen, „Die Manns“ in ihrer Einzigartigkeit jenseits der Genrekategorien zu würdigen und Heinrich Breloer und Horst Königstein für diese Leistung die Auszeichnung „Fernsehereignis des Jahres“ zu verleihen.

Die Begründung der Jury:

In die kleine Reihe wirklicher Fernseh-Ereignisse gehört der Dreiteiler „Die Manns“. Dies nicht allein wegen der äußeren Anstrengung, belegt im ungewöhnlichen Budget von zehn Millionen Euro für diese internationale Koproduktion. Was vielmehr bei diesem Werk vor allem so beeindruckt, dass es innerhalb des letzten Fernsehjahres eine eigene Kategorie beanspruchen darf und kann, ist die außerordentliche Perfektion der von Heinrich Breloer und Horst Königstein bereits mehrfach erprobten und durchgespielten Form des Doku-Dramas. In der Verschränkung von Dokumentarmaterial, von Interviews mit Zeitzeugen und von eigenen Spielszenen entsteht ein dichtes, spannungs- und facettenreiches Bild einer einzigartigen Künstler-Familie.

Breloer und Königstein konzentrieren sich zwar besonders auf den weltberühmten Schriftsteller Thomas Mann, doch entwickeln sie für alle (stark auf ihn bezogenen, oft mit tragischem Schicksal endenden) Figuren ein jeweils tragendes eigenes Interesse. Dabei fungiert die 83jährige Elisabeth Mann Borgese, die kurz nach der Ausstrahlung des Films starb, als eine Art Erzählerin. Mit ihren sehr persönlichen, auch eigenwillig interpretierenden Erinnerungen, die Breloer in meisterhafter Interview-Technik hervorruft, verleiht sie dem Werk eine warm-humorvolle Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit.

Zu den Voraussetzungen für das rund fünfstündige Werk gehört eine glänzende Recherche. Getragen wird das Ereignis auch von erstklassigen, höchst engagiert agierenden Schauspielern. Armin Mueller-Stahl, Monica Bleibtreu, Sebastian Koch seien stellvertretend für Rang und Qualität des Ensembles genannt. Ebenso bemerkenswert ist die geschmeidige und präzise Kameraleistung von Gernot Roll.

Drei eineinhalbstündige Begleitfilme, in denen andere Teile des reichhaltigen Recherche-Materials mit weiteren Interview-Passagen verbunden werden, öffnen zusätzliche Perspektiven und verleihen dem Fernsehunternehmen „Die Manns“ vertiefende Dimensionen.

Alles in allem: Mit „Die Manns“ ist Breloer und Königstein tatsächlich ein „Gesamtkunstwerk“ gelungen, das intelligent und opulent ein klassisches Bildungsbürgerthema für das Fernsehen im besten Sinne popularisiert hat – mit überwältigendem Erfolg auch ausserhalb des Mediums.

Die Jury des DEUTSCHEN FERNSEHPREISES
Berlin, 5. September 2002