Krömer, Kurt

Krömer, Kurt(Foto: rbb/Esteban de Alcazar)

Biografie Kurt Krömer

20.11.1974 Astronomen beobachten über dem Berliner Stadtteil Neukölln einen ungewöhnlich hellen Stern. In der gleichen Nacht wird Kurt Krömer geboren. Ein Zufall? Das Kind einer Schneiderin und eines Tischlers wächst zunächst behütet auf. Erstes Trauma seines jungen Lebens: Kurt muss erkennen, dass mit dem Tag der Einschulung noch lange nicht alles getan ist. „Schule is nischt für Coole!“ Ständiges Training im Klassenzimmer lässt in ihm den Wunsch Raum greifen, auch sein späteres Brot als Komiker zu verdienen. Das Rüstzeug soll eine Schauspielausbildung an der HdK liefern. Leider zeigt schon eine Info-Veranstaltung, vom 13-jährigen Kurt hoffnungsfroh besucht, deutlichst die Grenzen auch der dortigen Lehrer. Krömer fliegt beinahe raus, weil er auf die Frage was für ihn Theater bedeutet, mit „Theater muss Spaß machen“ antwortet. Er versteht, dass es keine Schulen gibt, an denen man Humor lernen kann; er ist deprimiert.
Aber er besinnt sich auf seine Wurzeln: „Ich komme aus dem Wedding, da muss man nichts lernen, da ist man einfach so, wie man ist“.

1991 Kurt hat es geschafft. Nach zehnjähriger Rebellion gegen die Autorität seiner Lehrer und zahllosen Verweisen, beendet er nach der 10. Klasse die Schule. Der gesamte Lehrkörper applaudiert stehend und verbrennt, nach orgiastischem Saufgelage, um Mitternacht Kurts Schulbank.
Er ist frei!

Kurt beginnt eine Lehre zum Kaufmann im Herrenausstatter- Einzelhandel, die er im gleichen Jahr noch erfolgreich abbricht. Krömer wird klar: „Zurück kannste nicht mehr, nun musst du auf die Bühne, um das zu machen, was du am besten kannst – komisch sein! Und wofür du in Zukunft auch nicht mehr so früh aufstehen musst.“
Aber Krömer hat kein Geld.

Um sein Ziel zu erreichen tut er in den nächsten sieben Jahren das, was vielen jungen Menschen heuzutage kaum noch ein Begriff ist: Er jobbt. Als Hausmeister, Bauhilfsarbeiter, Kellner und Tellerwäscher. Er verkauft Zeitungen in Kneipen und wohnt in einer Hinterhofwohnung mit Ofenheizung und ohne Dusche. Wenn sein junger Körper nach Reinigung schreit, geht er mit ihm ins Stadtbad.

Sein künstlerischer Werdegang in Stichpunkten:

1992 Kurt tritt schon in kleineren Theatern auf; manchmal vor vier, an guten Abenden auch schon mal vor acht Leuten.
Erstes Engagement in einer Jugendtheatergruppe mit einem Stück gegen rechte Gewalt („Das Klassenspiel“). Krömer nutzt die Plattform, um sein komisches Talent auszuprobieren. Nach 30 Vorstellungen fliegt er raus, eben dieses Talents wegen.

1993 erster Auftritt als Komiker im „Scheinbar Varieté Berlin“, Krömer fällt mit seiner Art von Komik voll auf die Schnauze. „Ick erzähle keine Witze, ick bin der Witz!“. Er spielt die Figur des Alltagshelden, die des Losers, Vorbilder sind für ihn Louis de Funes und Klaus Kinski. Lachen tun nur wenige, Krömers Art ist den Zuschauern zu fremd und irgendwie zu echt. Er trägt ausschließlich selbst erfundene und improvisierte Geschichten aus seiner Welt vor. Und Krömer feilt an seinen
Nummern…

1994 bewirbt er sich beim nächsten Nachwuchsabend an einem Theater.
150 Zuschauer und DM 11,50 Gage. Sollte es endlich voran gehen?

1995 Kurt schreibt immer wieder Nummern, darunter auch „Die Eintagsfliege“, nichtahnend, dass die ihm eines Tages alle Türen zu Bühne und Fernsehen öffnen wird…
Krömer gelingt der Sprung in eines der angesehensten Häuser Berlins, ins Chamäleon-Varieté, wo er prompt den Nachwuchspreis gewinnt. Die Leute vom Theater mögen seine anarchistische Art. Es folgen an die hundert Shows mit ihm als Gast oder Moderator.

1996 Krömer hat sich in der Szene als Komiker etabliert. Erste, gut dotierte Angebote laufen ein. Aber er lehnt ab: „Zu viel Schleim und alte Witze, zu wenig Platz für Anarchie.“ Er spielt stattdessen für die Berliner Punkszene, auf der Wagenburg und (mit Nina Hagen) bei Benefizveranstaltungen im Berliner Tempodrom.

1997 Krömer ist in der Comedy- und Kabarettszene Berlin- und bundesweit am Start. Es folgen Auftritte in größeren Theatern wie BKA Kabarett Theater, Tempodrom, Mehringhof-Theater, Schmidts-Theater Hamburg, auf dem Köln-Comedy-Festival im Gloria, Festival in Moers, u.a.

1998 Das Fernsehen wird auf Krömer aufmerksam. Der Quatsch-Comedy-Club und Johannes B. Kerner laden ihn ein.

1999 wechselt er zeitweise das Fach und konzentriert sich auf das Schreiben. Man trifft ihn als Autor bei der „Chaussee der Enthusiasten“ an (Autorenszene aus dem Berliner Underground, s. Spiegel).
Wieder schwimmt er gegen den Strom und begeistert mit seinen Phantasien und seinen absurden Alltagsgeschichten auch diese eher intellektuelle Szene Berlins.
Das Fernsehen überhäuft Krömer mit Konzepten für Comedy-Shows und andere Kurzauftritte. Die meisten Angebote lehnt er ab: „Krömer muss Krömer bleiben! Ick lass ma nich verbiegen! Keine Verkleidungen und keine Doktorsketche!“.

2000 Krömer gewinnt den „Köln Comedy Cup“.
Die verschiedentlichsten TV-Stationen buhlen um seine Gunst (SAT1, RTL, WDR, 3SAT). Ausserdem Stefan Raab und die Wochenshow, beide Angebote lehnt Krömer ab („noch zu früh“).
Er begibt sich auf Gastspielreise durch die Republik und das deutschsprachige Ausland.

2001 nimmt Krömer an der Jubiläumsausgabe „5 Jahre Wochenshow“ auf Sat 1 mit seiner „Geburtstagsnummer“ teil.
Im gleichen Jahr erkennt sein Freund Juppy, Begründer der Ufa-Fabrik Berlin, Krömers Talent und fördert sein Soloprogramm „Wir hatten doch damals auch nichts“ (Asphaltpoesie zum Einpacken oder gleich essen). Er präsentiert dieses zum Todestag von Wolfgang Neuss im „Wolfgang Neuss Salon“ in der Ufa-Fabrik Berlin.
Fast zeitgleich wird Krömer für den Prix Pantheon in Bonn nominiert.
Krömer beginnt sich, mittels ausgewählter TV-Auftritte, (Sat1-Wochenshow, Sat1-Pannenshow, 3Sat-Kleinkunstfestival) einem breiteren Publikum vorzustellen..
Im Oktober begeistert er mit „Na Du Alte Kackbratze“ wieder in der UFAFabrik.

2002 bringen eine Neuaufnahme o.g. Soloprogrammes, die zusammen mit Otto Kuhnle gestaltete Punk-Variety, den „Kitsch & Kacke-Club“ – ein monatliches Potpourri feinster Trashblüten und den Publikumspreis bei Hallervordens Wühlmäusen.
Ab August zählt er als „Unser Mann aus Neukölln“ zum festen Bestandteil der Show „Die schöne Woche“ auf Radio Eins, ist seit November regelmäßig im neu-eröffneten „Quatsch Comedy Club“ Berlin zu sehen und wirkt bei diversen TV-Shows mit.

2003 „Das Jahr des Krömer“: Wöchentliche specials auf Radio Eins bereiten seinen Weg für weitere Stufen auf der Karriereleiter: Es folgen wieder Kitsch- und Kacke-Club-Auftritte (inzwischen mit 2 Folgen für den rbb verfilmt und 4 weiteren in der Vorbereitung!) und sein „Chez bei Krömer“ (Kurt‘s Hausparty im QCC). Ab 6. Mai wird im Berliner Mehringhof-Theater seine Solo-Show „The Return Of the Mighty Kackbratze“ zelebriert.
Mit diesem Programm lässt er erneut Robbie Williams sehr alt aussehen und faltet alles im Saal zusammen, was nicht trinkt, raucht und blöde Kommentare ablässt.

2004 Die „KURT KRÖMER-Show“ bei den Berliner Wühlmäusen: Ein Talkforum mit irrsinnigen Einlagen und Gästen, die keine Fragen mehr offen lassen, verziert mit Kurzfilmchen aus dem krömischen Reich. Der rbb zeichnet zehn Folgen für sich und die Dritten der ARD auf.
Im Februar startet KK einen Ausflug in das Theaterfach: Als Butler Schlemmer in der Bühnenfassung von Billy Wilders „1,2,3“ spielt er mal eben das gesamte Ensemble an die Wand.
Auch Bayern lässt es Krömern: Kurt verkauft seine ersten 4 Live- Shows aus und bricht viele Zenzi-Herzen.
Krömer wird als Laudator zum Deutschen Filmpreis gebeten und zaubert der (sehr ernsten) Filmwirtschaft so etwas wie ein Lächeln ins Gesicht…

Im November begeht er mit einer 4 1/2-stündigen Gala vor und mit 1500 Menschen, Freunden und Kollegen sein 30. Wiegenfest sowie sein knapp 10-jähriges Bühnenjubiläum. Von Nowottny bis Wowereit schicken die Menschen Glückwunschfilmchen – rührend!
Am vorletzten Tag des Jahres brilliert Kurt in der Lippe-Show „Wer zuletzt lacht“ und stiehlt allen, (außer Jürgen natürlich, huhuuu!) mit der Story um Zündi Wagner restlos die Show.

2005 Kurt sieht seine erste Nominierung für den Grimme-Preis als Gewinn: „Ich bin ja noch so herrlich jung…!“
Harald Schmidt lädt den jungen Wilden in seine Show ein: „Du bist kein Gast, du bist jemand, den wir gut finden!“ Krömer nickt verständnisvoll.
Im April wird mit den Folgen 10-15 die, vorerst, letzte Staffel der Krömer-Shows abgedreht.
Weitere TV- und Live-Auftritte folgen, auch im Westen füllt Krömer die Hallen.
Am 14. Oktober sind über 4 Millionen RTL-Zuschauer Zeugen: Unser Mann erhält den Deutschen Comedy Preis 2005 als „Newcomer des Jahres“! Kurt bedankt sich artig bei seinen Eltern: „Sie haben mich nie geschlagen. Dett ham immer die Nachbarn jemacht!“
Die ersten beiden Folgen seiner neuen Show „Bei Krömers“ werden ausgestrahlt. Kurt zeigt sein Herz für Familie und die Nation schaut begeistert zu.
Weiteres Jahresfazit: Hunderte ausverkaufte Live – Auftritte vor Tausenden begeisterten Menschen. Ein Mann rockt Deutschland.
Kurz vor Weihnachten bittet Harald Schmidt, bekennender Krömer-Fan, den Meister erneut in seine ARD – Show. Kurt rettet abermals die Quote.

2006 Krömer wird gleich zweimal für den Grimme-Preis nominiert. Aber die Jury ist immer noch nicht reif…
Im Mai zeichnet der rbb die zweite Staffel „Bei Krömers“ auf. rbb-Unterhaltungs-Chef Helmut Lehnert nennt Kurt „ein Ausnahmetalent“. Recht hat der Mann.
Deutschlands Standesämter melden: Immer mehr Deutsche nennen ihre Neugeborenen KURT. Der Meister bleibt, wie gewohnt, entspannt.
Im September laufen die Fortsetzungen der Familiensause „Bei Krömers“ sechs Montage lang kurz nach Mitternacht in der ARD. O-Ton Krömer: „Der Sendezeitpunkt ist supi. Nach Mitternacht zähln se keene Quoten…!“ (Könnten sie aber ruhig…).
Kraxel, kraxel, zum Olymp: Am Freitag, dem 20. Oktober, exakt um 21.25 Uhr MESZ, heißt es: „Der Gewinner des Deutschen Fernsehpreises 2006 in der Kategorie BESTE COMEDY heißt Kurt Krömer!“
Krömer gibt dem Drängen seiner Fans nach. Endlich erscheint das Kultprogramm „Na, du alte Kackbratze“ auch auf einer Live-DVD, und er selbst tourt eben noch einmal schnell durch 17 deutsche Städte.
Mit einer Mini-Rolle in „Wo ist Fred?“ schnuppert Berlins größter Neuköllner Leinwandluft. Der Kritiker des Herner Feuilleton zum Film: ‚Weniger wäre mehr gewesen. Was nicht für das Leinwanddebut des Kult-Komikers Kurt Krömer gilt: Eine stimmige Realsatire als städtischer Bürokrat!‘ Na, bitte …

2007 Das Jahr startet mit Schmackes. Wettertief „Kyrill“ spielt wilde Sau über Deutschland, Minister Seehofer wird Papa ohne seine Gattin damit zu belasten und, na klar: Kurt hat wieder die jährliche Grimme-Preis-Nominierung.
Viel wichtiger: Im Februar wird ihm der „Deutsche Kleinkunstpreis 2007“, die wohl bedeutendste Auszeichnung im deutschsprachigen Raum in den Sparten Kabarett, Chanson/Lied/Musik, Kleinkunst, verliehen. Die Jury begründet: „Die große Kunst seiner Komik besteht darin, dass sie sich hartnäckig einer analytischen Betrachtung entzieht und man nicht entschlüsseln kann, worin das Geheimnis dieses absolut bezwingenden Humors besteht. Kurt Krömer ist ein improvisiertes Naturereignis…“ Das weiß auch Harald Schmidt und bittet unseren Mann für einige Sendungen in sein Rateteam für «Pssst…».
Zeitnah rezitiert der „Robbie Williams vom Hermannplatz“ zu mitternächtlicher Stunde witzig-weise Lyrik in drei Folgen der ARD-Doku „Komisches Deutschland“. O-Ton Krömer: „Vorm Urlaub ist meine Frau wie ein guter Krimi – packend bis zum Schluss!!!“
Aber die Fans murren. Sie wollen mehr Kurt. Verzweifelt versucht der Berliner Senat, einer drohenden Revolte durch die Präsentation eines knuffigen, kleinen Eisbären entgegenzusteuern. Ein kläglicher Ersatz. Also greift endlich Mutter ARD ein und verpflichtet den wohl prominentesten Neuköllner zu 10 Folgen „KRÖMER“. Insgesamt 300 Minuten Krömer satt, wieder solo, mit Stargästen und kleinen Filmchen. Ab 27. August liefen die 10 Folgen im Ersten und begeisterten überraschend viele Nachteulen.
Ende August erhält Krömer auch noch den Berlin-Preis beim Deutschen Kleinkunst-Festival in den Berliner Wühlmäusen.
Ab 26. Oktober platzt die Bombe und es gibt Krömer für zu Hause: Die 3er DVD-Box „Krömer – Die internationale Show“ erscheint.
Jetzt geht es Schlag auf Schlag.
Ab 31.10.07 startet Krömer in „Room Service“ an der Schaubühne in Berlin. Das Ganze inszeniert vom Regie Guru und „Master aller Klassen“ Thomas Ostermeier persönlich.
Zwischendurch wird Kurt Krömer als Laudator beim „Deutschen Fernsehpreis“ am 29.09.07 eingeladen. Passende Kategorie: Beste „Dokumenzazion“…
Und weiter geht’s mit seinem neuen Live-Programm an der UdK in Berlin. In fünf restlos ausverkauften Terminen zwischen dem 03.12. und 07.12.07 stellt Krömer endlich „Kröm de la Kröm“ vor. Die Menge tobt und verlangt nach mehr!

2008 begann für Krömer mit einer großen Überraschung: Grimme-Preis-Nominierung Nummer 5 für seine ARD-Sendung „Krömer- Die internationale Show“…
Nach langer Abstinenz ließ Krömer im März das „Krömertorium“ in der Schaubühne wieder aufleben um anschließend zum ersten mal „Wetten dass…?“ durch Neuköllschen Glamour zu bereichern.
Die zweite Staffel von „Krömer- Die internationale Show“ wird gesendet!
Ganz neu auf der Bühne: eine Popcorn-Maschine und ganze 45 Minuten Laufzeit. Das Publikum dankt es mit großartigen Quoten und einer Komedypreis-Nominierung!
Im Herbst 2008 ging Krömer mit neuem Liveprogramm „Kröm de la Kröm“ auf eine restlos ausverkaufte, ausgedehnte Deutschlandtournee, die bis 2010 fortgeführt wird.

2009 beginnt mit einer sehr guten Nachricht. Die dritte Staffel von Krömer – Die internationale Show“ bekommt einen neuen Sendeplatz und ückt dadurch auf den Donnerstag 23.45 Uhr direkt nach Schmidt & Pocher!
Im Frühjahr geht die Staffel wieder los mit spannenden Gästen, irrwitzigen Einspielern und mehr Spontaneität, als manchem Zuschauer im Studio lieb ein dürfte.
Im Herbst 2009 führt Krömer seine bis 2010 dauernde Tournee mit dem Live-Programm „Kröm de la Kröm“ in ganz Deutschland weiter fort!
Ausblick Herbst 2009 / Frühjahr 2010 Krömer auf Tournee mit „Kröm de la Kröm“

PREISE
2007 – Berlin Preis (Kabarett Theater „Die Wühlmäuse“)
2007 – Deutscher Kleinkunst-Preis
2006 – Deutscher Fernseh-Preis
2005 – Deutscher Comedy-Preis
2002 – Kleinkunst-Preis (Kabarett Theater „Die Wühlmäuse“)
2000 – Köln Comedy Cup
©
Stand: August 2010

2012-07-16T15:52:44+00:00